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Statusbericht 20.08.2020 - Sechs Monate Betrieb des Dorfmobils

Der Dorfverein ,Barsikow e.V.’ – Arbeitsgruppe Dorfmobil – erstattet regelmäßig Bericht über die Erfahrungen mit dem Dorfmobil in Barsikow, die Nutzer und Nutzung des Dorfmobils. Dieser Bericht wurde erstellt zur feierlichen Begehung nach 6 Monaten Betrieb des Dorfmobils.

Nutzer:innen

Es gibt momentan 28 Personen, die sich als Nutzer:innen haben registrieren lassen – 14 Frauen und 14 Männer. Die Entwicklung der Anzahl der registrierten Nutzer wird in diesem Bild grafisch dargestellt. 

Insgesamt haben 16 von diesen 28 registrierten Personen das Dorfmobil tatsächlich genutzt, 8 Frauen und 8 Männer. Von diesen 16 Nutzern haben 9 ihren ersten Wohnsitz in Barsikow, die weiteren 7 haben hier ihren zweiten Wohnsitz oder sind zu Besuch. Gerade in den Sommermonaten ist bei Besuchern und Feriengästen ein Bedarf da, das Dorfmobil zu benutzen. Damit hat das Dorfmobil auch touristische Relevanz.

Das Altersprofil der registrierten Nutzer und der Nutzer, die tatsächlich das Dorfmobil benutzt haben, zeigt, das es in (fast) allen Alterskategorien Nutzer gibt. Es war wohl zu erwarten, dass die jüngere Gruppe unter 50 sich einer solchen neuen Entwicklung öffnen würde. Offensichtlich ist die Gruppe über 60 bereit damit zu experimentieren und hat wahrscheinlich auch Zeit dazu. Dazwischen scheint eine Gruppe zu sein, die (noch) kein Interesse gezeigt hat.

Für jeden Nutzer muss der Führerschein halbjährlich überprüft werden. Wenn der Nutzer seinen Führerschein nicht überprüfen lässt, wird er aus der Liste der Nutzer entfernt. 

Als Zielgruppen wurden am Projektanfang 6 Gruppen definiert. Die 16 Personen, die das Dorfmobil tatsächlich genutzt haben, verteilen sich wie folgt über diese Nutzergruppen.

Die Kategorien E und F wurden auf Grund von Corona nicht beworben.

Nutzung des Dorfmobils

Die Nutzung des Dorfmobils wird gemessen in Stunden und in gefahrenen Kilometern. Der Stundentarif dient dazu, die festen Kosten des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes „Dorfmobil Barsikow“ zu bestreiten. Diese betragen € 226,33 pro Monat. Bei einem Tarif von 1,99 pro Stunde sind also 114 Nutzungsstunden pro Monat notwendig, um diese Kosten zu decken oder 26 Stunden pro Woche.

Die tatsächliche Zahl der Nutzungsstunden in den ersten Monaten bleibt also etwas hinter den Erwartungen zurück. Vor allem der Monat April wurde von der Corona Krise beeinträchtigt. Dabei betreffen die Zahlen für Februar nur einen halben Monat. Im Juni wurde zum ersten Mal die Planzahl erreicht.

Bei der Nutzung spielt der Anlauf des Projektes natürlich eine Rolle: die Nutzer:innen müssen sich an diese neue Option gewöhnen und diese langsam in ihre Abläufe integrieren. Dann kam die Corona Krise, die die Nutzer:innen verunsichert hat, ein Auto mit anderen zu teilen.

Die gefahrenen km werden im Prinzip gegen die geschätzten variablen Kosten abgerechnet, so dass diese Zahl wirtschaftlich nicht so wichtig ist. Für den Umwelteffekt spielt diese Zahl dagegen die größte Rolle. Am 20. August 2020 standen insgesamt (kumulativ) 7.900 km Nutzung zu Buche.  Die Arbeitsgruppe hatte die gefahrenen km am Anfang des Projektes auf 10.000 km pro Jahr geschätzt. Es sieht danach aus, dass wir nach einem eher zögerlichen Anfang diese Zahl wohl deutlich übertreffen werden.

Der Stromverbrauch pro gefahrene km liegt ungefähr bei 14 kWh/100 km. Dazu kommt aber der Eigenverbrauch der Ladeeinrichtung. Diese war offensichtlich nicht in Ordnung, so dass der tatsächliche Stromverbrauch des Betriebes um rund 43% höher lag. Jetzt ist gerade eine neue Wallbox installiert worden. Der genaue Eigenverbrauch dieser Ladeeinrichtung wird überprüft, so bald die ersten Erfahrungswerte vorliegen. Mit dem wirklichen Energieverbrauch von 0,14 kWh/100 km wären die Stromkosten nur 4,2 Cent pro km. Mit den extra Stromverlusten aus der Anfangsphase kamen wir auf ca. 6 Cent, so dass bei unserem Tarif von 10 Cent pro km noch ein kleiner Beitrag zu den festen Kosten geleistet wird. Ein kleiner Teil soll noch in eine Rückstellung für Reifen usw. fließen. Diese Rückstellung wird übrigens hier in der wirtschaftlichen Tabelle nicht berücksichtigt.

Das Dorfmobil war kurz vor Monatsende August insgesamt 11% der Zeit in Nutzung und 2% der Zeit nicht verfügbar wegen kleinerer technischer Probleme (s. unten). Es bleiben also noch 87% für die weitere Nutzung zur Verfügung!

Wirtschaftlichkeit des Geschäftsbetriebes „Dorfmobil Barsikow“

Die wirtschaftlichen Ergebnisse des Geschäftsbetriebes für die ersten Monate wird in der Tabelle im Anhang zusammengefasst. Das monatliche Betriebsergebnis für die ersten 6 Monate wird hier grafisch dargestellt:

Ab dem Monat Mai konnte der Betrieb schwarze Zahlen schreiben. Der kumulierte Überschuss ist am 20.08.2020 ca. € 200. Die Gewinne ab Mai kamen zustande, weil die variablen Kosten geringer sind als die empfangene variable Vergütung, so dass damit auch teilweise fehlende Nutzungsstunden kompensiert werden konnten. Die Sonderposition wird im Anhang 1 erklärt.

Im Monat Juni wurde auch die BAFA Förderung (Umweltbonus Elektromobilität einschl. AVAS) von 3100 € empfangen, so dass die privaten Darlehen zur Überbrückung zurückgezahlt werden konnten.

Technische Herausforderungen

In den ersten Monaten hatten wir ein paar technische Herausforderungen:

1. Batterieklemme
Eine Batterieklemme an der kleinen 12V-Batterie war lose (zu groß). Als wir das Auto nicht in der üblichen Art öffnen konnten, wurde die Hilfe von Renault benötigt. Diese schickte den ADAC, der das Problem erstmal zu lösen schien. Als das Problem am Samstag, dem 2.5., zum zweiten Mal auftrat, ließ Fahrzeugwart Wilfried Kunze das Auto von der Werkstatt abholen. Am späten Nachmittag des 4.5. war es wieder einsatzbereit. In der Werkstatt wurde eine übergroße Polklemme an der kleinen Zusatzbatterie festgestellt. Dadurch fehlte der Strom für die Bordsysteme. Das Problem wurde in der Werkstatt erstmal behoben, bedurfte aber einer Nachbesserung vom Fahrzeugwart, um endgültig gelöst zu sein.

2. Ladestation
Hartnäckiger war ein Problem an der Ladestation (=Wallbox): Der Stromverbrauch war 43% höher als die von der Ladestation abgelieferte Strommenge. Außerdem schaltete anfangs ab und zu, später immer der FI-Schutzschalter am Konsum die Wallbox aus, wenn das Fahrzeug an die Ladestation angeschlossen wurde. Offensichtlich gab es ein Problem mit der Ladestation, so dass diese an den Lieferanten zurückgeschickt wurde. Dieser hat uns eine brandneue Anlage geschickt, die wir am 14. August 2020 angeschlossen haben. Leider war damit das Problem mit dem FI Schutzschalter noch immer vorhanden. Als unser Elektriker diesen Schutzschalter durch einen anderen Typ ersetzt hatte (Das alte Modell war ein Eaton xPole PXF 40/4/003-A; das neue Modell ist ein GE Elfa 604208), war auch dieses Problem behoben. Jetzt haben wir also, 6 Monate nach Inbetriebnahme, ein funktionierendes Ladesystem. Für eine Prüfung des Eigenverbrauchs der Wallbox ist die Zeit noch zu kurz gewesen.

In der Zwischenzeit wurde das Dorfmobil über eine Schuko-Steckdose gleich neben der Ladestation aufgeladen. Pro Ladestunde konnten so 17 km Reichweite hinzugewonnen werden. Das ist nicht üppig, reichte für unsere Bedürfnisse bis Mitte August 2020 aber vollkommen aus.

Weitere Entwicklung

Obwohl die Betriebsergebnisse sich mittlerweile erfreulich entwickeln, bleibt das Projekt noch etwas hinter den Erwartungen zurück. Zum Großteil hängt dieses damit zusammen, dass praktisch sofort nach der Inbetriebnahme die Corona Pandemie die Nutzung deutlich behindert hat. Nicht nur gab es Vorbehalte gegen die Nutzung sondern auch, weil potentielle Nutzer einfach keine Fahrziele hatten.

Bei den heutigen Lockerungen der Corona Maßnahmen wird die Arbeitsgruppe die Werbung für neue Nutzer und für mehr Nutzung von registrierten Nutzern intensivieren. So werden „Tage der offenen Autotür“ geplant, immer, wenn der „Alte Konsum“ offen ist – immer nach Vereinbarung mit einem AG-Mitglied. Auch können eigene Veranstaltungen mit Würstchen und Kuchen organisiert werden („Veranstaltungstage“). Es wurde weiterhin beschlossen, dass „Schönes Wochenende Tickets“ angeboten werden, wobei ein Tagestarif auf maximal 10 Stunden begrenzt wird (€19,99 plus km-Vergütung). Sobald „Corona“ es zulässt, können weitere Touren & Ausflüge organisiert werden. Wichtig bleibt, potentiell Interessierte anzusprechen in Einzelgesprächen und Probefahrten mit Einzel“training“ zu organisieren.

Die Arbeitsgruppe Dorfmobil Barsikow

Fabio Meister, Vorsitzender
Willem Schoeber, stellv. Vorsitzender
Wilfried Kunze, Fahrzeugwart
Anna Funke, Kommunikation
Miguel Plonczak, Administrator
Gritta Rösing, Verschiedenes

Email: dorfmobil@Barsikow.de

Telefon: 033978-70860

ANHANG 1: Wirtschaftliche Ergebnisse

Fußnoten:

  1. Die Stromkosten für Mai bis August sind geschätzt. Zum überwiegenden Teil wurde über ein Schuko Steckdose geladen und dieser Strom wurde nicht gemessen. Dieser nicht gemessene und nicht in Rechnung gestellte Strom wurde trotzdem in die Berechnung aufgenommen, um ein realistisches Bild der Kosten zu haben. Der Vorteil des nicht gezahlten Stroms wird unter „Sonderposition“ dann gegengerechnet.

Ältere Statusberichte können Sie als PDF herunterladen:

StatusberichtDorfmobil20200701